Eine Hofgeschichte aus dem Kraichgau
Familienwappen Tombarge

Der Kryxenberghof
— ein Kreuzweg im Helmhof

Zwischen Rittern, Königen und Kaisern. Tausend Jahre Pferdetradition im Kraichgau — heute weitergeführt von Michael Tombarge.

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— Der Ort —

Ein Hügel im Herzen des Kraichgaus.

Mitten im bewaldeten und hügeligen Kraichgau, geschützt durch dichte Wälder im Norden und mit weitem Blick über die südlichen Hügelketten, liegt der Kryxenberg — ein Ort, der über Jahrhunderte nicht zufällig zum Schnittpunkt eines ganzen Adelsnetzes wurde.

— Der Kryxenberg als Schnittpunkt — Kraichgau und unteres Neckartal —

Was die Karte zeigt, ist mehr als Geographie: es ist die Topographie eines Reichsritter-Netzes, dessen Linien hier zusammenlaufen. Helmstatt im Westen, Wimpfen im Osten — die Stauferpfalz, in der 1190 der gemeinsame Stammvater Raven urkundlich erscheint. Gemmingen im Süden, Heilbronn am Neckar als Reichsstadt, die Burgen Hornberg und Guttenberg, die über die Jahrhunderte zwischen den Familien wanderten. Neun Orte, deren Wege sich an einem einzigen Punkt schneiden.

Im Mittelpunkt — geschützt durch den Wald im Norden, offen und in die Ferne schauend im Süden — der Kryxenberg. Ein Hügel zwischen dichtem Wald, Talblick und Aussicht; ein Ort, der nicht von ungefähr zum geheimen Treffpunkt eines ganzen Adelsnetzes wurde.

Was hier auf der Karte als Linien zusammenläuft, war über sieben Jahrhunderte gelebte Verbindung. Diese Geschichte beginnt im Jahr 950.

Ein Ort, älter als jede Urkunde, die ihn nennt.

Wer heute über die Höhen oberhalb von Helmhof zum Kryxenberghof hinaufgeht, betritt einen Ort, der älter ist als jede Urkunde, die ihn nennt. Hier kreuzen sich seit Jahrhunderten die Wege: alte Verbindungen vom Neckar in den Kraichgau, Heerstraßen der Ritter, Handelswege der Bauern. „Kryxenberg" — die alte Bezeichnung des Berges — verweist sprachlich auf das Kreuz, das die Wege miteinander verband. Wer hier wirtschaftete, wirtschaftete an einem Knotenpunkt.

Diese Hofgeschichte will an etwas erinnern, was sich aus Akten und Plänen nicht ablesen lässt: dass Neckarbischofsheim eine außergewöhnliche Geschichte besitzt, dass diese Geschichte mit dem Pferd untrennbar verbunden ist, und dass der Kryxenberghof Teil dieser Geschichte ist.

I
um 950 n. Chr.

Eine Pferdezucht-Tradition, die so alt ist wie Süddeutschland.

Im Jahr 988 wird Neckarbischofsheim erstmals urkundlich erwähnt — damals als „Biscovesheim" in der Wildbannurkunde König Ottos III. an den Bischof von Worms. Nur wenige Jahrzehnte zuvor, um 950, gründete Herzog Liudolf von Schwaben — ein Sohn Kaiser Ottos des Großen — im Nesenbachtal bei Stuttgart ein Gestüt: den Stuotgarten, aus dem die heutige Landeshauptstadt Baden-Württembergs ihren Namen erhielt.

Ziel war es, Kriegspferde für die Reiterheere zu züchten, mit denen das ostfränkische Reich gegen die Ungarn bestand — ein Kampf, der erst 955 mit der Schlacht auf dem Lechfeld zu Ende ging.

Süddeutsche Pferdezucht ist keine moderne Erfindung. Sie steht am Anfang dieser Landschaft.

Das springende Pferd im Wappen Stuttgarts erinnert bis heute daran. Die spätere württembergische Hauptgestütstradition (Marbach, gegründet 1573) und die badische Pferdezucht stehen in dieser tausendjährigen Linie.

II
13. Jahrhundert

Der Kraichgau — Heimat der Reichsritterschaft.

Wo Süddeutschland Ritter hatte, hatte es Pferde. Und Ritter hatte der Kraichgau wie wenige andere Regionen Deutschlands. Im Schwäbischen Ritterkreis bildete der Kanton Kraichgau mit Sitz in Heilbronn einen eigenen organisatorischen Verband der Reichsritterschaft. Aus seinem Boden kamen die Helmstatt, die Göler von Ravensburg, die Mentzingen, die Gemmingen — Familien, deren wirtschaftliche und militärische Existenz auf dem Pferd gebaut war.

Die Herren von Helmstatt waren ein Adelsgeschlecht, das seit dem 13. Jahrhundert im Kraichgau und Odenwald Besitz hatte und mehrere Bischöfe von Speyer stellte. Ihr Stammsitz lag in Helmstadt, ihre Hauptlinie residierte in Neckarbischofsheim. Drei Schlösser, eine Totenkirche mit über vierzig Grabmalen, ein Rittersaal mit Wandmalereien aus dem 15. Jahrhundert — die Helmstatt haben dieser Landschaft ihr Gesicht gegeben. Und sie haben ihr ihren Namen aufgedrückt:

Helmhof — der Hof unter dem Helm.

Im Familienarchiv der Helmstatt im Generallandesarchiv Karlsruhe liegt bis heute eines der wenigen erhaltenen ritteradligen Turnierbücher des Kraichgaus. Es zeigt Reiter, Pferde, Wappen, Lanzen — eine ganze Welt, in der Pferdezucht keine Liebhaberei war, sondern Lebensgrundlage und Standesausdruck zugleich.

III
1190 — Wimpfen am Neckar

Die Wurzel der Familien — Wimpfen.

Wenn man die Helmstatt zurückverfolgt, kommt man nicht in Helmstadt an, sondern in Wimpfen am Neckar — der mittelalterlichen Stauferpfalz und späteren Reichsstadt. 1190 erscheint dort urkundlich ein Raven de Wimpina zu Rappenau — der gemeinschaftliche Stammvater der drei „Raben-Wappen"-Familien: Helmstatt, Göler von Ravensburg und Mentzingen.

Ritter in voller Rüstung zu Pferd — Holzstich aus Paul Lacroix, Les arts au moyen âge, 1869
— Der Reichsritter — wie Raven de Wimpina zu Rappenau, urkundlich Wimpfen 1190 —
Holzstich aus: Paul Lacroix, Les arts au moyen âge, Paris 1869 · gemeinfrei

Erst im 13. Jahrhundert lösen sich diese Linien räumlich. Raven errichtet um 1212 die Ravensburg bei Sulzfeld. Sein Enkel Heinrich nennt sich 1229 erstmals „von Helmstatt". Sein Urenkel Dieter wird 1279 Stiftspropst in Wimpfen. Aber Wimpfen bleibt der Knoten, an dem sich die Kraichgauer Familien treffen — auch die Gemmingen halten dort einen eigenen Stadthof, den Gemminger Hof, den es bis heute gibt.

Daraus folgt: Als 1539 der Grundstein des Kryxenbergs gelegt wird, geschieht das nicht in einer leeren Landschaft. Drei Jahre später, 1542, werden Philipp von Helmstatt, Wolf von Gemmingen, Bernhard Göler von Ravensburg und Reinhard von Sachsenheim von Kaiser Karl V. gemeinsam zu Reichskommissaren ernannt — der politische Keim des späteren Ritterkantons Kraichgau.

In diesem Netz — und nicht neben ihm — wird der Hof gegründet.

Helmstatt, Gemmingen und ihre Nachbarfamilien sind keine fernen Verwandten. Sie sind seit dem Hochmittelalter ein Netz, dessen Stammvater in Wimpfen lebte. Der Kryxenberg entsteht mitten in diesem Netz, in dem Augenblick, in dem es sich politisch konsolidiert.

IV
1539 · 1712

Der Kryxenberg — älter als Helmhof.

Lange bevor die Siedlung Helmhof entsteht, ist der Berg über dem Tal bereits bewirtschaftet. 1539 wird auf dem Kryxenberg ein Hofgebäude errichtet — fast zweihundert Jahre vor der späteren Siedlung. Belegt ist dieses Datum nicht durch eine Urkunde, sondern durch den Stein selbst:

1539
Vorderseite — Hausmarke und Jahreszahl

Der gesetzte Eckstein mit der eingehauenen Jahreszahl 1539 ist bis heute am Hof erhalten. Über der Jahreszahl steht keine Adelssignatur, sondern eine Hausmarke — das geometrische Linienzeichen eines frei-bäuerlichen Bauherrn, wie es im 16. Jahrhundert statt eines Wappens üblich war. Hausmarken waren rechtsverbindliche Identifikationszeichen von Bauern, Müllern und Lehnsleuten, vererbbar und so eindeutig wie eine Unterschrift.

Auf der Rückseite des Steins finden sich zusätzlich zwei Buchstaben:

Rückseite des Grundsteins mit den eingehauenen Buchstaben B und H
Rückseite des Grundsteins — Initialen B und H

Die Initialen B und H auf der Rückseite gehören vermutlich zu den Vornamen des Bauherrenpaares oder zweier Brüder. Sie sind bislang nicht aufgelöst; eine Identifikation aus den Lager- und Urbarbüchern der Helmstatt im Generallandesarchiv Karlsruhe steht aus. Das ursprüngliche Hofhaus selbst war in zeittypischer Bauweise des Kraichgaus errichtet: Fachwerk auf Lehmgrund, ohne Steinfundament. Diese Bauart erklärt, warum vom Haus nur der gesetzte Eckstein blieb.

Um 1712 wird, gut zwei Jahrhunderte später, die Siedlung Helmhof zwischen Bischofsheim und Untergimpern angelegt — als „Hof unter dem Schutz" der Helmstatt. Die ersten Siedler waren Waldarbeiter, Tagelöhner, Holzhauer und Kohlenbrenner — „Schutzverwandte" der Ritterherrschaft. Aus dieser harten, ehrlichen Arbeit ist über drei Jahrhunderte die Gemeinde gewachsen, die heute ein selbstbewusster Stadtteil von Neckarbischofsheim ist.

Der Kryxenberghof ist damit nicht jüngster Anbau Helmhofs, sondern dessen älterer Nachbar: ein Hofplatz, der bereits stand, als die Siedlung im Tal noch nicht angelegt war.

Höfe wie dieser sind die stillen Säulen des ländlichen Raums.

Sie überdauern Generationen, Familien und Hände, die sie führen — und sie bewahren etwas, was keine Stadt sich neu schaffen kann: gewachsene Kulturlandschaft.

V
1806 — 1893

Neckarbischofsheim und Napoleon — eine persönliche Geschichte.

Die napoleonische Zeit hat in Neckarbischofsheim sichtbare Spuren hinterlassen, und sie sind persönlicher, als man auf den ersten Blick vermutet.

1806 verloren die Reichsritter von Helmstatt mit der Mediatisierung ihre Reichsunmittelbarkeit. Das Großherzogtum Baden übernahm die Herrschaft, und „Bischofsheim" wurde zu „Neckarbischofsheim", weil es im neuen Großherzogtum noch zwei weitere Bischofsheime gab. 1810 wurde im Alexanderschloss das Bezirksamt Neckarbischofsheim eingerichtet — im selben Jahr, in dem in Paris Maximilian Graf von Helmstatt zur Welt kam.

Die Helmstatt führten in dieser Zeit eine deutsch-französische Doppelexistenz. Schon 1738/42 hatten sie die lothringische Grafschaft Mörchingen (Morhange) und einen französischen Grafentitel erworben. Drei Generationen der Familie kamen in Paris zur Welt: August (1776), Karl Ludwig (1807) und Maximilian (1810). Trotz Mediatisierung und Französischer Revolution blieb der französische Grafentitel den Helmstatt erhalten.

Maximilian Graf von Helmstatt (1810–1893) wurde königlich französischer Rittmeister — Hauptmann der französischen Kavallerie. Damit gehörte er zu jener Reiterei, deren Pferde aus Napoleons Haras Impériaux kamen, dem 1806 reorganisierten System der kaiserlichen Gestüte. Er ritt mit Pferden aus napoleonischer Staatszucht. Nach langen Pariser Jahren kehrte er zurück nach Neckarbischofsheim, rekonstruierte 1890 die Pläne des Bischofsheimer Alexanderschlosses und starb dort am 23. Dezember 1893.

Ein Mann, geboren im napoleonischen Paris, ausgebildet in der französischen Kavallerie, gestorben in Neckarbischofsheim.

Mit ihm endete die deutsch-französische Lebensgeschichte einer Familie, die seit dem 13. Jahrhundert das Land um Helmhof und Neckarbischofsheim prägte.

VI
1814 — 1971

Vom Schlachtfeld zur Freundschaft — La Chapelle-Saint-Luc.

Die deutsch-französische Geschichte Neckarbischofsheims hört mit den Helmstatt nicht auf. Im Gegenteil: Sie nimmt einen zweiten, weiten Bogen.

Im Winter und Frühjahr 1814 marschierten süddeutsche Truppen — aus Baden, Württemberg und Bayern — ihrerseits nach Frankreich, nachdem sie nach der Völkerschlacht bei Leipzig 1813 die Seiten gewechselt hatten. Im Département Aube, der heutigen Champagne, schlugen sie zusammen mit den anderen Koalitionsarmeen die letzten Schlachten der napoleonischen Kriege: bei Brienne (29. Januar 1814), bei La Rothière (1. Februar), bei Bar-sur-Aube (27. Februar), bei Arcis-sur-Aube (20.–21. März). Mit Napoleons Niederlage bei Arcis-sur-Aube endete sein Kaiserreich; im April folgte die Abdankung.

Genau dort, im Aube, wenige Kilometer vom historischen Troyes, liegt die heutige Partnerstadt Neckarbischofsheims: La Chapelle-Saint-Luc. Seit 1971 verbindet die beiden Städte eine deutsch-französische Freundschaft.

Aus dem napoleonischen Schlachtfeld ist Partnerschaftsgebiet geworden.

Und in beiden Landschaften — im Kraichgau wie in der Champagne — verbindet sich diese Geschichte mit dem Pferd: hier die Ritter von Helmstatt und ihr Erbe, dort die Champagne mit dem nahen napoleonischen Nationalgestüt von Montier-en-Der, gegründet 1806 — im selben Jahr wie die Mediatisierung des Kraichgau.

Die Pferdezucht-Tradition zieht sich also durch beide Partnerstädte und durch beide Landschaften wie ein gemeinsamer Faden. Wer hier Pferde züchtet, schreibt eine deutsch-französische Geschichte fort, die älter ist als jede Staatengrenze.

Stationen eines Kreuzwegs.

Dreizehn Stationen durch tausend Jahre — vom Stuotgarten Herzog Liudolfs bis zur heutigen Pferdezucht am Kryxenberghof. Eine Geschichte, die als Weg erzählt sein will. Mittendrin: der Grundstein des Kryxenbergs, gelegt 1539 — fast zwei Jahrhunderte vor Helmhof.

Herzog Liudolf gründet den Stuotgarten

Pferdezucht für die Reiterheere des ostfränkischen Reiches gegen die Ungarn.

um 950
988

Erste Erwähnung als „Biscovesheim"

Wildbannurkunde König Ottos III. an den Bischof von Worms.

Raven von Wimpfen — Stammvater

Der gemeinsame Vorfahre der drei „Raben-Wappen"-Familien Helmstatt, Göler und Mentzingen erscheint in Wimpfen am Neckar.

1190
13. Jh.

Die Helmstatt kommen in den Kraichgau

Ein Adelsgeschlecht, das Bischöfe stellt, drei Schlösser baut und der Landschaft den Namen gibt — Helmhof.

Der Grundstein des Kryxenbergs

Lange bevor Helmhof entsteht, wird hier oben der Hof gegründet — fast zweihundert Jahre vor der späteren Siedlung.

1539
1573

Marbach wird Hauptgestüt Württembergs

Die süddeutsche Pferdezucht-Tradition setzt sich institutionell fort.

1712

Helmhof entsteht

Eine Siedlung „unter dem Schutz" der Helmstatt — Waldarbeiter, Tagelöhner, Bauern. Aus ihr wächst, woraus der Kryxenberghof Teil ist.

Helmstatt erwerben Mörchingen

Die Familie führt fortan eine deutsch-französische Doppelexistenz mit Grafentitel in Lothringen.

1738
1806

Mediatisierung — und Napoleons Haras Impériaux

Die Helmstatt verlieren ihre Reichsunmittelbarkeit. Zugleich gründet Napoleon das Nationalgestüt Montier-en-Der.

Maximilian Graf von Helmstatt — in Paris geboren

Künftiger königlich französischer Rittmeister. Sein Pferd wird aus napoleonischer Staatszucht kommen.

1810
1814

Schlachten im Département Aube

Brienne · La Rothière · Bar-sur-Aube · Arcis-sur-Aube. Mit Napoleons Niederlage endet sein Kaiserreich.

Maximilian stirbt in Neckarbischofsheim

Ende einer deutsch-französischen Lebensgeschichte, die im napoleonischen Paris begann.

1893
1971

Partnerschaft mit La Chapelle-Saint-Luc

Aus dem napoleonischen Schlachtfeld wird Partnerschaftsgebiet. Aus Krieg wird Freundschaft.

Pferdezucht durch Michael Tombarge

Der Weg setzt sich fort. Der Kryxenberghof bleibt, was er war: ein Kreuzweg, ein Ort, an dem Land und Pferd zusammengehören.

Heute
Pferde des Kryxenberghofs auf der Weide vor dem Kraichgauer Wald
Pferdezucht im Kraichgau, heute

Michael Tombarge — von Barge nach Helmhof.

Der Name Tombarge verweist auf den Ort Barge im Alten Land bei Stade — eine norddeutsche Wurzel, die sich heute im Kraichgau eingeschrieben hat. Heute trägt Michael Tombarge diese Wurzel an den Helmhof — als persönliche Verantwortung für ein kulturelles Erbe: die jahrhundertealte Verbindung von Mensch, Pferd und Landschaft fortzuführen, als Auftrag, der größer ist als jede einzelne Generation.

Das Familienwappen zeigt den Adler als Wächter über der Weintraube, Schwert und Schlüssel kreuzweise im azurblauen Schild — und im silbernen Schildfuß den Fuchskopf: Symbol für Klugheit, Wachsamkeit und das ruhige Wissen um die Landschaft, in der man lebt.

Am Kryxenberghof wird bis heute Pferdezucht betrieben — in der Linie jener tausendjährigen süddeutschen Tradition, die in Kapitel I beschrieben ist, und in einer Familiengeschichte, die diese Tradition heute persönlich trägt.

Michael Tombarge
Halter · Kryxenberghof · Helmhof
— Familienwappen Tombarge —
Die mütterliche Linie
um 1858 · Südmähren

Mährische Wurzeln — von der Scholle nach Bretten.

Die zweite Wurzel dieses Hofes führt weit nach Osten: nach Südmähren, in den Kreis Nikolsburg. Aus Bratelsbrunn und Guttenfeld — zwei deutschen Dörfern dicht an der österreichischen Grenze, in einer Landschaft aus Wein, Acker und weiten Feldern — stammt die Familie Kusmitsch. Über Generationen saß sie hier als Bauern auf der Scholle; Mathias Kusmitsch, geboren 1858, war Landwirt in Bratelsbrunn.

Es war eine alte Kulturlandschaft, erstmals 1249 urkundlich erwähnt und über Jahrhunderte im Besitz der Fürsten Liechtenstein. Auch die napoleonischen Kriege zogen hier durch. Doch das Leben der Kusmitsch bestimmte nicht die große Politik, sondern der Boden, das Vieh — und die Pferde, die zu jedem Hof gehörten.

Was meine Vorfahren mitnahmen, war kein Besitz, sondern das Wissen um Land und Tier.

1945/46 endete diese Welt. Mit der Vertreibung verlor die Familie Heimat und Hof und begann in Baden-Württemberg neu — dort, wo Laurenz Kusmitsch 1985 in Bretten starb. In derselben Stadt wurde Michael Tombarge geboren. Über seine Großmutter Josefine Kusmitsch reicht seine Linie zurück in dieses mährische Bauerntum.

Geblieben sind die Pferde — der rote Faden, der die Familie durch Vertreibung und Neuanfang getragen hat. So treffen sich am Kryxenberghof zwei Herkünfte: die süddeutsche Tradition des Ortes und eine mährische Bauernlinie, die dasselbe Wissen über Mensch, Land und Pferd in sich trug.

VII
Heute

Pferdezucht am Kryxenberghof — die Tradition lebt weiter.

In dieser Tradition wird heute am Kryxenberghof von Michael Tombarge eine Pferdezucht betrieben. Es ist kein neues Kapitel — es ist das Weiterschreiben einer Geschichte, die seit tausend Jahren mit dieser Landschaft, mit dem Pferd und mit den Höhen über dem Helmhof verwoben ist.

Zwei Pferde am Kryxenberghof mit Blick in die Kraichgauer Landschaft
Am Kryxenberghof — Blick in den Kraichgau

Wer hier züchtet, steht nicht am Anfang. Wer hier züchtet, steht in einer Reihe — neben den Reiterheeren Liudolfs, den Turnierrittern der Helmstatt, der Kavallerie Maximilians von Helmstatt, den Pferden aus Marbach und Montier-en-Der. Der Kryxenberghof ist Teil dieser Reihe.

Kulturelles Erbe verfällt nicht, wenn sich Menschen finden, die es weitertragen.

Der Kryxenberghof bleibt das, was er immer war: ein Kreuzweg. Ein Ort, an dem sich Vergangenheit und Gegenwart treffen, an dem die alte Verbindung von Mensch, Pferd und Landschaft weitergeführt wird — im Geist der Ritter, die diesem Land den Namen gaben, und in der heutigen Verantwortung Michael Tombarges, der hier züchtet.

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Eine Tradition der Klöster — und der frühen Reiterheere.

Pferdezucht war über Jahrhunderte kein gewöhnliches Handwerk. In den Klöstern des Mittelalters galt sie als sorgfältig gehütete Kunst — Zuchtlinien, Anpaarungen, das Wissen um Charakter und Eignung wurden in Klosterställen festgehalten und weitergegeben, oft als Wissen, das nicht über die Mauern hinausgelangen durfte. Wer gute Reit- und Streitrosse züchten konnte, hielt eine strategische Ressource in Händen: an ihren Pferden entschieden Reiterheere die Schlachten Europas.

„Equi optimi" — die besten Pferde
So loben antike Quellen die Reittiere der Thüringer. Schon im späten 4. Jahrhundert erscheinen sie als Reitervolk in den römischen Quellen; Cassiodorus rühmt ihre Pferde noch im 6. Jahrhundert in den Variae Theoderichs des Großen — für ihre Stärke, ihre Schönheit, ihre Eignung als Streitrosse.

Die Pferde, die heute am Kryxenberghof gezüchtet werden, stehen in dieser langen Linie. Sie sind die Nachfolger eines Wissens, das aus Klosterställen und alten Gestüten in die Höfe der süddeutschen Pferderegion gewandert ist — und hier, im Kraichgau, neu Wurzel geschlagen hat.

Quellen